»Nur gemeinsam zeigen wir Stärke«
Wie würden Sie denn jemandem die Berlin Art Week erklären, der nicht weiß, was das ist?
Mona Stehle: Als Europas größtes Publikumsfestival für zeitgenössische Kunst. Sie bringt wie niemand sonst die Berliner Kunstszene zusammen: staatliche Museen und Kunst-Institutionen, kommerzielle Galerien und eine Messe, private Sammlungen und Projekträume der Freien Szene.
Die beschäftigen sich auch die anderen 51 Wochen damit. Warum braucht es einen Zusammenbringer?
Weil wir durch Verdichtung fantastischer Programme erhöhte Aufmerksamkeit erreichen — weit über die Stadt hinaus. Weil wir einen Rahmen bieten, in dem Vielfalt als Ganzes sichtbar wird. Weil wir die Szene öffnen, die aus vielen Bubbles besteht, Zugänge schaffen und Barrieren senken.
»Kunst gibt’s in Berlin auch in den 51 anderen Wochen im Jahr zu sehen. Den Austausch darüber zwischen allen nur zur Art Week«
Gilt vermutlich gerade für Privatsammlungen, oder?
»Discovering Collections« ist eines der Formate, das wir exklusiv zur Berlin Art Week machen. Da steht man im Wohnzimmer von Sammler*innen, was anderswo nur VIPs dürfen. Bei uns können alle dabei sein.
Was haben die Sammler davon, dass Ehepaar Soundso aus Lichtenberg bei ihnen auf der Matte steht und nicht nur die Kunstkennerin aus Basel?
Die Lust am Austausch und am Teilen. Sie sammeln aus Leidenschaft und zeigen gerne, was sie haben.
Wie kann man sich ihre Arbeit vorstellen?
Wir sind eine Schaltstelle. Heißt: Koordination. Nicht nur alle Partner zusammenzubringen, sondern das eben in speziellen Formaten, die wir entwickeln, in einer bestimmten Dramaturgie. 2025 haben wir 115 Orte bespielt. Mit denen sind wir das Jahr über im Gespräch, was wer wann macht in unserer Wochendramaturgie. Wir organisieren die Gesamtkommunikation, Pressereisen, Medienkooperationen. Und die Vermittlung, ein stadtweites Tourenangebot zu niedrigen Preisen, unseren jedes Jahr wechselnden Festivaltreffpunkt, den Berlin Art Week Garten, wo wir Gespräche, Workshops und andere Sachen veranstalten.
Wie viele Leute erreicht das?
2025 hatten wir über 140.000 Besuche. Die Zahlen steigen stetig seit der Gründung.
Strahlt das aus über Berlin hinaus?
Wir haben ein internationales Netzwerk mit über zehn europäischen Art Weeks mitgegründet. Mit Prag sind wir seit deren Gründung vor einigen Jahren in engem Austausch, aktuell mit der jüngsten Art Week in Budapest. Da hat Berlin schon Vorbildcharakter.
Was würde Berlin fehlen ohne Art Week?
Ein Moment, wo alle zusammenkommen und ihre Stärke gemeinsam zeigen. In der Stadt mangelt es nicht an Kunst, aber den Kiez- und Szene-übergreifenden Austausch darüber gibt es nur bei uns. Und der ist wichtig.
Januar, 2026