»Wir brauchen mehr Miteinander, nicht weniger«

Vor dem Jubiläum ist nach dem Jubiläum. Wie geht’s im 21. Jahr weiter?

Moritz van Dülmen: Wie in dieser Zeitung beschrieben. Die Hälfte unserer Arbeit machen die kontinuierlichen Projekte und Unternehmungen aus, unser Maschinenraum, wenn man so will. Berlin will mit Kulturdaten versorgt sein, Museen müssen ihre Führungen organisiert kriegen, Künstler*innen und Kulturschaffende Beratungen bekommen und so weiter. Da gibt es 2026 neben der Routine viel zu feiern. Das Beratungszentrum Kreativ Kultur Berlin gibt es dann 10 Jahre, unser Berlin Bühnen-Portal sogar schon 20. Und die Berlin Art Week wird im September 15.

Läuft also?

Lief schon mal besser. Wenn die Frage auf die Berlin Art Week an sich zielen würde, wäre die Antwort: Absolut, fast erfolgreicher denn je. Aber es ist ja bekannt, dass die Kulturförderung dafür eingestellt worden ist. In diesem und dem nächsten Jahr fangen wir die Art Week mit Eigenmitteln auf, die wir als Risikoreserve in der GmbH angespart haben. Man könnte sagen: Die Berlin Art Week ist an ein Notstromaggregat angeschlossen, damit es 2026 und 2027 weitergehen kann. Was danach passiert? Unklar. Mit unsicherer Finanzierung bereiten wir auch den nächsten Europäischen Monat der Fotografie 2027 vor. Aber ich bleibe guter Hoffnung, dass wir am Ende wie in den letzten 20 Jahren mit dem Kultursenat gemeinsam Lösungen finden werden. EMOP und Berlin Art Week sind ja auch Beispiele fürs Verbinden und Zusammenfinden. Gerade das ist es, was wir heute gesellschaftlich brauchen: mehr Miteinander statt weniger.

Was ist positiv beim Blick nach vorn?

Wir freuen uns auf die Lange Nacht der Museen, den Klassiker unter unseren Veranstaltungen. Die boomt wie lange nicht, das war schon vor der Corona-Pandemie so, hat danach aber noch mal an Schwung gewonnen. Darin kann man auch ein Zeichen sehen für den Wunsch nach einem Miteinander, für die Sehnsucht nach gemeinsamen Kulturangeboten und Erlebnissen zu erschwinglichen Konditionen.

Was gibt es außer der Reihe?

Wir entwickeln gerade eine Idee zu 65 Jahren Mauerbau. Teilungsgeschichte und Wiedervereinigung — das ist und bleibt Berlins großes Thema. Hier besteht die Herausforderung darin, dass die Zeitzeugen allmählich weniger werden. Außerdem beginnen wir mit der Umsetzung einer großen Freiheitsausstellung, die wir idealerweise fürs Humboldt Forum produzieren wollen als Nachfolger unserer Eröffnungsschau Berlin Global. Von der Friedlichen Revolution aus sprechen wir über die Freiheitsgeschichte Berlins und Deutschlands und schlagen den Bogen ins Heute und in die Welt. Freiheit ist aktuell unter Druck. Das ist ein sehr großes Projekt mit knapp 20 Millionen Euro Produktionsumsatz für eine Fläche von tausenden Quadratmetern, das wir in den nächsten Jahren mit unseren Partnern realisieren wollen. Außerdem feiern 2027 die Berliner Städtepartnerschaften mit Paris und Los Angeles Geburtstag, auch hier überlegen wir gegenwärtig passende Veranstaltungen. Noch weiter gedacht ist die Olympia-Bewerbung für 2040, da arbeiten wir an vielen Stellen eifrig mit.

Silvester am Brandenburger Tor war 2025 neu im Portfolio. Eine einmalige Angelegenheit oder ein neuer Standard der Kulturprojekte?

Da sind wir eingesprungen nach dem Umzug des Events nach Hamburg, das im ZDF übertragen wird. Die Herausforderung war: Können wir trotz extremer Sicherheitsanforderungen friedlich feiern, getreu dem Kulturprojekte-Motto: umsonst und draußen? Wir können! DJs, Musik, Drinks, Leute — Konzentration auf das Wesentliche für eine Party. Die Fernsehshow sieht zu Hause gut aus, beim Feiern stört sie eher. Hat alles super funktioniert, nur dass es saukalt war. Die Bilder gingen dank unseres neu gewonnen Medienpartners ARD um die Welt bis zu CNN und der New York Times. Das werden wir auch 2026 machen, so Gott oder der Senat will.

Also genug zu tun?

Ja. Aber es gilt wie schon in den vergangenen 20 Jahren: Unverhofft kommt oft! Vieles entsteht bei uns spontan und richtet sich nach den Bedürfnissen Berlins. Mit unserem Team als der schnellen kulturellen Eingreif- und Rettungstruppe.

Es ist Geburtstag. Was wäre der Wunsch an die Politik?

Wenn man uns die Gelder kürzt, dann wünsche ich mir eine Auseinandersetzung damit, was wir mit diesen Geldern eigentlich machen. Mittelbar trifft es die Bühnen, Museen, Beratungshungrige, den Kulturbetrieb der Stadt. Unmittelbar trifft es das Publikum, für das wir da sind. Teilhabe ist, was eine Gesellschaft am Leben hält. Dafür wünschen wir uns Aufmerksamkeit. Besser als Kürzen ist Investieren. Wir sind bereit und arbeiten gern für Berlin.

 

Januar, 2026

© Kulturprojekte Berlin, Foto: Harf Zimmermann