Von Paolo Stolpmann

Lernen und Verlernen im Museum

Der Museumsdienst Berlin vermittelt Kultur, Geschichte und Wissenschaft

Zwanzig ist der Museumsdienst Berlin (MD) schon vor mehr als 20 Jahren geworden, der West-Berliner Vorläufer nahm 1980 seine Arbeit auf. Unter dem Dach von Kulturprojekte Berlin im Podewil wurde das Profil seit 2006 geschärft. Der Museumsdienst fokussiert sich heute auf die außerschulische Bildungs- und Vermittlungsarbeit von musealen Einrichtungen. Anfangs nicht selten bloßes Begleitprogramm, ist daraus ein relevanter und eigenständiger Teil der wissenschaftlichen Museumsarbeit geworden.
Als Museumsdienst stehen wir unseren Partnerinstitutionen zur Seite. Wir ermöglichen den Schulklassen, Fachgruppen und Besucher*innen Zugang, wir kommunizieren alle Programme auf unserer Website, wir buchen, koordinieren und organisieren passgenau — mehr als 10.000 Veranstaltungen im Jahr. Wir sind Auftraggeber von über 250 Vermittler*innen und Referent*innen, die den Besuch inhaltlich begleiten, die Fragen stellen und zum Denken anregen.
Die Teilnehmer*innen werden stets einbezogen. Häufig sind sie durch Workshops oder Führungen zum ersten Mal im Museum. Dieser Kontakt ist prägend, also muss die Bildungsarbeit Bezüge zum echten Leben herstellen, Beziehungen knüpfen — und natürlich Spaß machen. Entsprechend ist die Vermittlung mal dialogisch und intellektuell anspruchsvoll, mal praxisbezogen, dann wieder intuitiv oder kreativ. Gemeinsam werden Sichtweisen und Meinungen diskutiert, es wird Neues gelernt und manches auch bewusst verlernt. Denn immer stehen wir vor der Frage: Welche Perspektive wollen wir vermitteln und warum?
Über 100 Programme vom Workshop bis zum Kindergeburtstag halten eine einzigartige Mischung von Ansätzen für unterschiedliche Zielgruppen bereit. So wird die wechselvolle Geschichte Berlins und das Schaffen hiesiger Künstler*innen in der Berlinischen Galerie durch Bildende Kunst, Fotografie und Architektur in Gesprächen und Workshops erfahrbar. Seminare und Rundgänge auf dem Gelände der Topographie des Terrors ermöglichen politische Bildung am historischen Ort.
Information, Kommunikation und Partizipation — auf diesen drei Säulen ruht die Bildungsarbeit auch bei unseren anderen Partnern: im Brücke-Museum, Hamburger Bahnhof — Nationalgalerie der Gegenwart, Gropius Bau, KW — Institute for Contemporary Art und Deutschen Technikmuseum sowie im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, Futurium, Flughafen Tempelhof, Berlin TXL sowie in der Deutschen Kinemathek und der Zitadelle.
Gemeinsam schaffen wir einen lebendigen Austausch, der möglichst viele einschließt und so Teilhabe fördert. Heute ist das wichtiger denn je. Unser Auftrag ist, demokratische Werte durch Kultur, Wissenschaft und Geschichte zu stärken. Und damit das nicht zur Phrase verkommt, muss Bildung und Vermittlung im musealen Feld ein offener Raum bleiben für alle, die bereit sind, Demokratie auszuhalten.

 

Paolo Stolpmann ist seit 2017 Leiter des Museumsdiensts Berlin

Januar, 2026

Museumsdienst Berlin im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart © Kulturprojekte Berlin, Foto: Justus Lemm
Museumsdienst Berlin im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart © Kulturprojekte Berlin, Foto: Justus Lemm