CORINNA SCHELLER IM INTERVIEW

Sie leiten die Abteilung Kulturförderung, Museumsdienste und Beratung. Was verbirgt sich dahinter?

Corinna Scheller: Die großen Events, draußen und umsonst, kennen alle. Aber ein genauso relevanter Teil unserer Arbeit ist das, wofür ich mit meinen Teams verantwortlich bin: Digitale Angebote, Information, Beratung, Vermittlung, Publikationen. Dazu gehören unsere Kulturportale Berlin Bühnen und das Museumsportal, der Museumsdienst, das Museumsjournal, unser Beratungszentrum Kreativ Kultur Berlin, aber auch so wichtige Teilhabe-Projekte, wie der eintrittsfreie Museumssonntag, die Jugendkulturkarte oder Draussenstadt. Bei allem geht es ums unkomplizierte Ermöglichen, um Sichtbarmachung und darum, Hürden abzubauen. Und um gute Kommunikation.

Darüber hinaus helfen Sie der Politik, Förderprogramme zu entwerfen und vor allem auch umzusetzen.

Genau, ein wichtiger Aspekt meiner Arbeit besteht darin, die Kulturverwaltung bei Konzeption und Durchführung von Förderprogrammen zu beraten und zu unterstützen. Hier arbeiten wir oft im Hintergrund. Aufbauend auf meinen Erfahrungen mit dem Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung, der bei Kulturprojekte Berlin aus der Taufe gehoben wurde, intensivierte sich diese Art der Kooperation in der Corona-Zeit. In knapp 30 Tagen haben wir damals ein Stipendienprogramm an den Start gebracht, das 2.000 Künstler*innen zumindest vorübergehend den Lebensunterhalt sicherte. Diese Arbeit haben wir fortgesetzt. Da ich selber für unsere Projekte Förderanträge schreiben muss, weiß ich, was eine gute Antragsplattform ausmacht, wie wichtig gute Vorab- und Begleitkommunikation durch Info-Sessions, Sprechstunden und FAQs ist. Und wie verantwortungsvoll die administrative Prüfung von Anträgen ist.

Was bereitet Ihnen Freude an eher administrativer Arbeit, auf die nicht das Scheinwerferlicht von großen Events fällt?

Ich bin von Hause aus keine Kulturmanagerin, sondern Politik- und Sozialwissenschaftlerin. Das führt zu einem 360-Grad-Blick auf Gesellschaft, auf unsere Stadt. Deshalb ist mir kulturelle Teilhabe ein zentrales Anliegen, die Förderung von Chancengleichheit, Bildung und Weiterbildung, die Schaffung von Möglichkeitsräumen. Besonderen Spaß macht mir die Vielfältigkeit unserer Aufgaben. Wir haben mit dem Museumsjournal ein gedrucktes Magazin, das als Archiv und Forum der Berliner Ausstellungswelt dient. Mit dem Museumsdienst vermitteln wir Kunst, Zeitgeschichte und Wissenschaft an ein breites, vor allem junges Publikum. Bei der Beratung von Künstler*innen und Kreativen helfen wir mit passgenauen Informationen und Formaten on- und offline.

Viele Ihrer Projekte sind digital. Was ist der besondere Reiz an diesen Formaten?

Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, dass mir die Entwicklung von Antragsplattformen, die Auseinandersetzung mit Schnittstellen oder die Konzeption einer Jugendkulturkarte so viel Spaß machen. Nach der Corona-Zeit musste unter hohem Zeitdruck ein Produkt entwickelt werden, das jungen Menschen den Zugang zu Kulturangeboten ermöglichen sollte. Das Briefing lautete: »Kultur für junge Leute, umsonst und ganz schnell. Budget: 7 Millionen Euro.« Drei Monate später hielten 75.000 junge Berliner*innen ihre Jugendkulturkarte in den Händen, 180 Kulturorte haben mitgemacht, 160.000 Besuche stattgefunden. Und das Budget wurde bei weitem nicht verbraucht.

Was wünschen Sie sich von der Berliner Kulturpolitik?

Dass mehr wertgeschätzt wird, was es schon gibt, was gut funktioniert, was mit viel Herzblut aufgebaut und über die Jahre weiterentwickelt wurde. Viele Metropolen träumen etwa von einer Kulturdaten-Infrastruktur, wie wir sie mit dem Museumsportal und Berlin Bühnen haben. Wo gibt es schon einen gemeinsamen Spielplan aller Theater, Opern und Konzerthäuser auf einen Blick?

Wie bemessen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit?

Ganz unterschiedlich, der Vielfalt unserer Projekte entsprechend. Mal sind es Klickzahlen, die steigen, Abonnements, die abgeschlossen werden oder mal Besuchszahlen, mit denen wir nie gerechnet hätten. Dass technisch hochkomplexe Herausforderungen am Tag X reibungslos an den Start gehen. Dass Ideen wie ein Losverfahren in einem Förderprogramm mit 8.500 Anträgen, das als nicht machbar erschien, erfolgreich umgesetzt wurde und von anderen Städten oder Verwaltungen als Best Practice adaptiert wird. Mich freut natürlich auch direktes Feedback, dass eine Beratung zu einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne geführt hat. Oder wie im Falle des Museumssonntags, nach dessen Aus uns tausende Zuschriften erreicht haben, dass es weitergehen muss. Dann wird mir die Relevanz unserer Arbeit noch einmal so richtig bewusst: wir sind wirksam und tragen Verantwortung.

Was brauchen Sie dafür?

Eine verlässliche Grundfinanzierung unserer Angebote, auf die wir aufbauen können. Den kollegialen Austausch, das Vertrauen und die Unterstützung der vielen Partnereinrichtungen, mit denen wir zusammenarbeiten. Aber auch den administrativen und kreativen Support unserer Verwaltung und Querschnittkolleg*innen und ganz wichtig: weiterhin so hoch motivierte und flexible Hands-on-Mitarbeitende, die genauso gerne und mit viel Ausdauer an unseren Projekten (weiter-)arbeiten, wie ich es tue.

 

Januar, 2026

Museumsdienst Berlin im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart © Kulturprojekte Berlin, Foto: Justus Lemm
© Kulturprojekte Berlin, Foto: Alexander Rentsch